Familie Schwangerschaft & Geburt

Kinderwunsch: Wo kommen eigentlich die Babys her?

Januar 17, 2020

Den Anfang wird eine Reihe sehr persönlicher Posts machen, in denen ich über Schwangerschaft und Geburt unserer Tochter schreibe. Ich habe auch lange mit mir gerungen ob ich das hier so offen teilen möchte. In der für uns schwierigen Zeit hat es mir selbst aber sehr geholfen Erfahrungen von anderen Familien zu lesen. Davon möchte ich nun ein Stück zurückgeben. Vielleicht macht unsere Geschichte der einen oder anderen Familie Mut, die ebenfalls einen unerfüllten Kinderwunsch haben.

Das Ybbshäuschen ist ja nicht nur ein Haus, sondern in erster Linie auch das Zuhause unserer Familie. Mit der Geburt unserer Tochter ist die Baustelle natürlich etwas in den Hintergrund getreten und neue Herausforderungen prägen unseren Alltag. Deshalb werden hier jetzt neben den Baustellengeschichten immer wieder auch Beiträge zu unserem Familienleben entstehen. 

Die Sache mit dem Kinderkriegen ist in der Theorie ja recht einfach. Wenn Mama und Papa sich sehr lieb haben, dann … Nur manchmal reicht das leider nicht ganz. Bettina leidet an einer Erkrankung namens Endometriose, die häufig zu Einschränkungen in der Fruchtbarkeit führt. Nach beinahe 3 Jahren mit mehr oder weniger intensiven Versuchen auf natürlichem Weg schwanger zu werden haben wir uns deshalb dazu entschieden, auf medizinische Unterstützung zurückzugreifen. Auf Empfehlung von Bettinas Gynäkologen vereinbarten wir einen Termin in einer Kinderwunschklinik. Im Rahmen der Befunderhebung zeigte sich sehr schnell, was das Problem war – auf Grund der vielen Operationen an den Eierstöcken war der Eizellvorrat, angezeigt durch das Hormon AMH, deutlich reduziert.  

Aus diesem Grund empfahlen die Ärzte uns sofort den Weg einer künstlichen Befruchtung (In-Vitro-Fertilisation – IVF) einzuschlagen. Bei vielen Paaren wird im ersten Schritt eine Insemination durchgeführt, davon wurde uns aber auf Grund der in unserem Fall geringen Erfolgschancen abgeraten.  

Der Prozess der IVF läuft in 3 Schritten ab:

  • Stimulation
  • Punktion
  • Transfer

IVF bei Kinderwunsch: Stimulation

Nachdem die Schilddrüsenfunktion und der Vitamin D-Spiegel optimal eingestellt waren, konnten wir etwa 3 Monate nach dem Erstgespräch mit dem Prozedere beginnen. Um die Erfolgschancen für die IVF zu erhöhen, verabreicht man verschiedene Hormone, um die Eierstöcke der Patientin künstlich zu stimulieren. Das Ziel ist, dass diese mehr als eine Eizelle pro Zyklus zu produzieren. Gleichzeitig wird durch die Verabreichung eines anderen Hormons verhindert, dass es zu einem vorzeitigen Eisprung kommt. Den Erfolg der Stimulation überprüfen die behandelnden Ärzte alle 2-3 Tage per Ultraschall. Je nach Ergebnis kann so die Dosis der Medikamente angepasst werden. Die Medikamente müssen gekühlt gelagert werden, die Verabreichung erfolgt morgens und abends jeweils zur genau gleichen Uhrzeit durch eine Injektion in das Fettgewebe am Bauch.

IVF Medikamente
Medikamente eines Tages während der Stimulationsphase der IVF

Leider lief unser ersten Stimulationszyklus nicht ganz wie gewünscht, da die Eierstöcke nicht mit der Produktion von mehreren Eizellen reagierten. Es hatte sich nur ein Follikel gebildet. Da die nächsten Schritte doch ein gewisses Risiko bergen, haben wir gemeinsam mit unseren Ärzten entschieden diesen Versuch abzubrechen. Neben der einzelnen Eizelle hatte sich auch eine größere Zyste gebildet, sodass wir einen  Zyklus pausieren mussten.

An dieser Stelle möchte ich kurz ein paar Worte zur Finanzierung der Kinderwunschbehandlung verlieren. Die österreichischen Krankenkassen übernehmen hier keine Kosten, es gibt allerdings einen Fonds über den beim vorliegen bestimmter Diagnosen 70% der finanziellen Aufwände abgerechnet werden können. Bei uns war das durch Bettinas Endometriose möglich. Der Fonds finanziert bis zu 4 Versuche, kommt es bei einem der 4 Versuche zu einer Schwangerschaft mit Herzaktivität können weitere 4 Versuche in Anspruch genommen werden. Auch ein abgebrochener Behandlungszyklus gilt dabei als Versuch. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen unseren ersten Zyklus nicht beim Fonds einzureichen sondern die Kosten dafür selbst zu tragen (was in unserem Fall “nur” die Medikamente waren). Somit hatten wir weiterhin vier Versuche, für die der Fonds den Großteil der Kosten übernehmen würde.

Anfang Jänner 2019 ging es dann wieder los, und mit einem geänderten Hormonprogramm starteten wir Versuch 2 der Kinderwunsch-Behandlung. Auch dieses Mal war die Produktion der Eizellen überschaubar, aber bei 3 im Ultraschall sichtbaren Follikeln entschieden wir gemeinsam mit den behandelnden Ärzten fortzufahren.  

IVF bei Kinderwunsch: Punktion

Sobald sich ausreichend Follikel gebildet haben wird durch die Injektionen einer weiteren Hormondosis (diesmal in die Muskulatur am Oberarm) zu einer genau definierten Uhrzeit der Eisprung ausgelöst. Mit einer Hohlnadel werden durch die Scheide unter Ultraschallkontrolle alle reifen Eizellen abgesaugt. Der Eingriff war innerhalb weniger Minuten erledigt, und bis auf etwas Müdigkeit und Schwindel nach der Narkose hielten sich die Nebenwirkungen sehr in Grenzen. Nachdem Bettina die Narkose noch für ein paar Minuten ausgeschlafen hatte, bekamen wir in der Klinik noch ein Frühstück und wir konnten uns wieder auf den Heimweg machen.

Hygienemaßnahmen bei Punktion (IVF)
Auf dem Weg zur Punktion

Die Ausbeute war wie schon aus dem Ultraschall bekannt nicht gerade üppig: es wurden 3 Eizellen gewonnen, von denen 2 erfolgreich befruchtet werden konnten. Für 3 Tage wurden die Embryos im Labor kultiviert und beobachtet.

IVF bei Kinderwunsch: Transfer

Am 18.01.2019 transferierten die Ärzte den von den Embryologen als am vielversprechendsten eingeschätzten Embryo in einem erneuten kleinen Eingriff in die Gebärmutter. Bettina hatte vor dem Transfer recht große Angst vor Schmerzen, die sich aber als völlig unbegründet herausgestellt hat. Obwohl eine kleine Kanüle durch den Muttermund in die Gebärmutter eingeführt wird, ist das absolut nicht vergleichbar mit den Schmerzen beispielsweise beim Legen einer Spirale. Selbst der ohnehin jährlich durchgeführte Krebsabstrich ist wesentlich unangenehmer.  

Leider hat unser zweiter Embryo es in der Petrischale nicht bis an Tag 5 geschafft. Er (oder sie) hätte ansonsten kryokonserviert werden und für einen eventuell nötigen weiteren Versuch verwendet werden können.

Obwohl unser zweiter Embryo nicht mehr als ein Haufen aus ein paar Zellen war, war die Trauer über den Verlust sehr präsent. Geholfen hat mir, diese Trauer zu akzeptieren, und mich mit einer Kerze von unserem Embryo zu verabschieden.

Auch nach der Stimulationsphase war es mit den Hormongaben noch nicht getan. Bei der Punktion wird der gesamte Follikel entfernt. Somit kann nicht wie beim natürlichen Eisprung aus den Überresten der Progesteron produzierende Gelbkörper entstehen. Dieses muss bei der Kinderwunsch-Behandlung künstlich zugeführt werden. Während die Hormonpräparate in der Stimulationsphase eher zu psychischen Nebenwirkungen geführt hatten, habe ich in der Phase eher mit körperlichen Problemen zu kämpfen – eine ausgeprägte Verstopfung war das Resultat der Zäpfchen. Mit viel Apfelsaft und Sauerkraut ließ sich aber auch das in den Griff bekommen.

Schwanger?

14 Tage nach der Punktion kann man einen Schwangerschaftstest durchführen. Die Klinik benötigt um sicherzugehen einen Bluttest, da wir aber nicht auf das Laborergebnis warten wollten haben wir auch einen Streifentest (oder genauer gesagt gleich 3 davon☺) gemacht. Wir konnten unser Glück gar nicht fassen, als in beiden Fenstern ein rosa Streifen sichtbar und die Erfüllung unseres Kinderwunschs endlich greifbar wurde!

positiver Schwangerschaftstest nach IVF
positiver Schwangerschaftstest nach dem ersten vollständigen IVF-Zyklus

In der achten Schwangerschaftswoche konnten wir dann das erste Mal unser Baby im Ultraschall sehen – inklusive Herzaktivität.

Herzaktivität nach IVF
erstes Ultraschallbild unserer Prinzessin

Der Moment an dem man zum ersten Mal den Herzschlag des eigenen Kindes hört ist ein ganz besonderer.

Viele Paare haben bis hier einen sehr mühevolleren Weg zu gehen, gespickt mit vielen Enttäuschungen. Dass es bei uns so vergleichsweise einfach klappte macht uns unglaublich glücklich und vor allem dankbar. Und dass der kleine Embryo aus dem Bild oben gerade neben mir liegt und übt sich vom Bauch auf den Rücken zu drehen ist ein unbeschreibliches Gefühl.

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2 Kommentare

  • Reply regelschmerzen Juni 9, 2020 at 10:59 pm

    2 stars
    Toller Beitrag! Als selbst betroffene Patientin sind mir die
    Symptome bekannt. Nach vielen Ärtzen kam ich nicht voran. Besserung kam erst, als ich ein genaues Tagebuch
    führte. Heute kann ich die Symptome frühzeitig managen und
    fühle mich viel besser.

  • Reply Hebammerei Berlin Juni 18, 2020 at 5:04 pm

    5 stars
    Die Schwangerschaft ist stets ein besonderes Erlebnis.
    Dabei spielt es keine Rolle, ob es das erste Kind der Frau ist, oder nicht.
    Wichtig sind Fürsorge des persönlichen Umfelds,
    um dem Kind eine optimale Entwicklung zu bieten.

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