Familie Schwangerschaft & Geburt

Geburtsbericht

Februar 7, 2020

Geburtsberichte gibt es ja haufenweise im Netz. Eine besonders schöne Sammlung findet sich auf Jana Friedrichs Hebammenblog. Gegen Ende der Schwangerschaft habe ich sehr viele Geburtsberichte gelesen, ich habe kurzfristig dann auch noch das Buch “Jede Geburt ist einzigartig” bestellt – wohlwissend dass es schon etwas knapp werden wird das Buch auch noch zu lesen! Dank Kindle war es aber schnell da, und zumindest die Hälfte habe ich noch geschafft.

Auf meiner Leseliste: “Erziehung prägt Gesinnung”

Ich möchte jetzt auch Elisas Geburt in die lange Reihe der Geburtsberichte im Netz einordnen, da es eine wirkliche schöne Geburt war. Vielleicht kann ich so der einen oder anderen werdenden Mama Mut machen und Ängste nehmen.

Die Geschichte startet nicht am Tag der Geburt, sondern einige Tage zuvor – bei SSW 38+0. Ich war zum Aufnahmegespräch in der Schwangerenambulanz, und traf dort meine Nachbarin die einen Tag zuvor ihr erstes Kind zur Welt gebracht hatte. Als ich die frischgebackene kleine Familie sah, war mit einem Moment die Angst vor der Geburt nicht mehr der vorherrschende Gedanke – es war nichts mehr wichtig, als endlich meine eigene Tochter in den Armen halten zu können.

Meine Erinnerung an die Geburt ist eher schwammig und mehr von Eindrücken geprägt – vor allem jegliches Zeitgefühl fehlt mir. Ich habe daher im Krankenhaus die Dokumentation der Entbindung angefordert, auf der alles sehr genau festgehalten ist. Das kann ich wirklich empfehlen, um die einen Erinnerungen zu stützen und zu vervollständigen. Ich kann nur jeder frischgebackenen Mama empfehlen, einen persönlichen Geburtsbericht zu verfassen. Egal ob man die Geschichte dann veröffentlichen mag oder nicht – das Niederschreiben hat mir jedenfalls sehr gut getan, dieses einzigartige, einschneidende Erlebnis zu Verarbeiten.

SSW 38+2, 13:00 Uhr

Es war Freitag Nachmittag, so wie beinahe jeden Tag in den letzten paar Wochen habe ich mich nach dem Mittagessen etwas niedergelegt um mich auszuruhen – es war ja doch schon alles ziemlich mühsam! Am späteren Nachmittag habe ich mich dann aufgerafft um endlich den längst überfälligen Abschlussbericht zu unserer Intensivbauphase zu schreiben. Ein paar Fotos fehlten noch, deshalb habe ich den Beitrag nicht mehr veröffentlichen können.

SSW 38+2, 18:00 Uhr

Jan und ich haben dann noch das schöne Spätsommer-Wetter für einen kleinen Spaziergang genutzt. Am Rückweg, etwa 1 km von Zuhause musste ich plötzlich ganz dringend auf die Toilette. Soll ja vorkommen in der Schwangerschaft 😉 Weil ich mir ziemlich sicher war es nicht mehr bis nach Hause zu schaffen, bin ich in die Büsche gehopst. Als ich nach verrichtetem Geschäft wieder aufstehen wollte, habe ich plötzlich ein lautes “Plopp” gehört, und gespürt wie warme Flüssigkeit an meinen Beinen nach unten rinnt. Ich hatte mir zuvor schon öfter Sorgen gemacht einen möglichen Blasensprung nicht zu erkennen – nun, die Befürchtung war unbegründet, mir war sofort klar dass es nun soweit war! Ich habe ziemlich schnell realisiert dass wir nun bald unser kleines Mädchen in den Armen halten würden!

Von der letzten Mutter-Kind-Pass-Untersuchung wussten wir, dass das Köpfchen bereits in guter Startposition war. Somit musste ich nicht liegend per Rettung ins Krankenhaus.

Lange galt die Ansicht, dass nach einem vorzeitigen Blasensprung die werdende Mutter nur mehr liegend transportiert werden dürfe um einem Nabelschnurvorfall vorzubeugen. In den meisten Fällen ist aber das Köpfchen bereits so tief im Becken dass sich die Nabelschnur nicht mehr zwischen Kind und Geburtsweg schieben kann. Häufig wird dies bei der letzten Mutter-Kind-Pass-Untersuchung festgestellt.

Ob ich aber zu Fuß noch den Kilometer nach Hause gehen sollte waren wir uns dann nicht so ganz sicher, deshalb haben wir im Kreißsaal angerufen. Die Hebamme, die ich schon vom Schwangeren-Yoga und dem Geburtsvorbereitungskurs kannte, hat uns aber beruhigt und gesagt dass wir ganz in Ruhe nach Hause gehen, uns frisch machen und dann ins Krankenhaus fahren sollten. Der Heimweg war etwas unangenehm, da ich ständig Fruchtwasser verlor – auch wenn es in Summe wahrscheinlich gar nicht viel Flüssigkeit war habe ich es doch ständig meine Beine entlang rinnen gespürt. Zuhause war ich dann noch Duschen, und weil Jan den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte legten wir auch noch einen Zwischenstopp beim McDrive ein. Darüber war ich zwar nur mäßig begeistert, aber dann doch einverstanden. Einen vor Hunger schlecht gelaunten Mann im Kreißsaal konnte ich ja auch nicht gebrauchen!

SSW 38+2, 20:00 Uhr

Nach dem Aufnahmeprozedere im Krankenhaus läuteten wir die Klingel beim Kreißzimmer. Wir wurden von einer Hebamme begrüßt, die dann auch gleich per Indikatorlösung bestätigt hat, dass ich tatsächlich Fruchtwasser verliere. Kurze Zeit später ist die zweite diensthabende Hebamme dazugekommen, hat sich vorgestellt und uns mitgeteilt dass sie uns betreuen würde. Es wurde gleich ein CTG geschrieben, währenddessen hat uns die Hebamme einige Fragen zu meiner Krankengeschichte und dem bisherigen Verlauf der Schwangerschaft gestellt und auch den Mutter-Kind-Pass durchgesehen. Dabei hat sie auch unsere Wunschliste gesehen, die ich für die Entbindung vorbereitet hatte. Mit den Worten “es ist gut dass Sie sich Gedanken gemacht haben” hat sie die Liste auch sehr positiv aufgenommen! Hier war ich im Vorfeld etwas unsicher, wie das Krankenhauspersonal reagieren würde. Ich hatte mich in der Formulierung sehr bemüht, aber man weiß ja nie ob sich nicht jemand doch etwas auf die Zehen getreten fühlt – nach dem Motto “schon wieder eine Schwangere die mir sagt wie ich meinen Job machen muss”. Dieses Gefühl hatte ich aber während des ganzen Krankenhausaufenthalts kein einziges Mal!

Die Hebamme versuchte auch einen Venflon zu legen (mein Wunsch diesen an einer möglichst wenig störenden Stelle zu setzen wurde natürlich berücksichtigt), da ich aber recht schlechte Venen habe hat sie nach einem Versuch abgebrochen und es der Ärztin, die wenig später dazukam überlassen. Die Ärztin informierte mich dann auch darüber, dass sie mir ein Antibiotikum verabreichen würden sollte das Kind 12h nach dem Blasensprung noch nicht da sein und holte meine Einverständnis dafür ein. Während das CTG aufgezeichnet wurde, spürte ich dann auch schon die erste Wehe. Die Tastuntersuchung des Muttermunds ergab noch keine Öffnung.

Screenshot der App zum Wehen zählen
Wehentimer-App

SSW 38+2, 21:00 Uhr

Wir wurden dann spazieren geschickt, nach einer Stunde – oder bei Bedarf – sollten wir wieder zurück ins Kreißzimmer kommen. Jan und ich sind dann Runde für Runde durch Krankenhaus marschiert. Recht schnell hatte ich regelmäßige Wehen im Abstand von etwa 3 Minuten. Ich habe die Wehen per App getrackt, die mich auch bald darauf aufmerksam machte dass ich mich auf den Weg ins Krankenhaus begeben sollte 🙂 Die Wehen waren schnell so heftig, dass ich währenddessen nicht mehr gehen oder reden konnte. Ich habe mich immer vornüber gelehnt, an Geländern, Stühlen oder Jan abgestützt und die Wehen veratmet. Gerne wüsste ich, was die wartenden Patienten aus der Notaufnahme dachten, an denen wir gefühlte 50 Mal vorbeigegangen sind! Nach etwa 45 Minuten waren die Wehen dann so heftig, dass wir uns zurück auf den Weg ins Kreißzimmer machten.

SSW 38+2, 21:45 Uhr

Im Kreißsaal machten wir es uns dann gemütlich. Unsere Hebamme startete nochmal das CTG. Am Kreißbett kniend, mit den Händen auf der Kopfstütze abgestützt, konnte ich die Wehen gut veratmen. Ich hatte mich zur Vorbereitung auf die Geburt unter anderem mit HypnoBirthing auseinandergesetzt, und konnte die Atemtechniken wirklich gut anwenden. Die Idee ist, während den Eröffnungswehen so langsam wie möglich und tief Ein- und Auszuatmen, dass nach diesem einen Atemzug die Wehe auch schon wieder vorbei ist. Die Vorstellung, dabei den Bauch wie einen großen roten Luftballon aufzublasen hilft dabei. Parallel dazu stellte ich mir vor, dass sich der Muttermund wie eine Rose entfaltete und öffnete. Dieses Bild wurde nicht nur im HypnoBirthing vorgestellt, sondern uns auch von der Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs empfohlen.

Bei einer regulär verlaufenden Geburt wechseln sich Wehen mit Wehenpausen ab, was auch wirklich Zeit zur Erholung gibt. Durch die Konzentration auf das Atmen und die Vorstellung der Rose war ich so auf den jeweiligen Moment fokussiert, dass der Wehenschmerz wirklich erträglich war. Mit fortschreitender Zeit verfiel ich in einen Zustand, der sich wohl am ehesten wie eine Trance bezeichnen lässt. Es fühlte sich ein bisschen so an wie das erste Mal (viel) zuviel Tequila – aber ohne das Gefühl dabei die Kontrolle zu verlieren. Ein sehr ruhiger, unglaublich schöner Zustand von Ruhe und Stärke. Ich glaube, dass ich noch nie zuvor in meinem Leben so konzentriert und gleichzeitig zu entspannt war, und mich noch niemals so stark gefühlt habe.

Ich habe die Wehen am stärksten im unteren Rücken gespürt, in dem Bereich in dem ich schon seit einigen Wochen Rückenschmerzen hatte. Massagen habe ich während der Geburt nicht wollen, es hat aber geholfen wenn Jan Druck auf das Steißbein ausgeübt hat.

Weil ich mich recht viel bewegte und zwischen Seitenlage und Knie-Ellbogen-Lage wechselte, verrutschten die CTG-Köpfe häufig, sodass die Hebamme sie einige Male festhalten musste um ausreichend lange Daten zu sammeln. Das war für mich wirklich störend, was ich selber aber erst recht spät realisierte. Durch die vielen Operationen am Bauch bin ich hier etwas empfindlich und mag es überhaupt nicht am Bauch angefasst zu werden. Der Druck hat mich wohl aus der tiefen Konzentration geholt, sodass ich den Wehenschmerz stark wahrnehmen konnte, und es mir zuviel wurde.

SSW 38+2, 23:20 Uhr

Ich bat um ein Schmerzmittel. Daraufhin tastete die Hebamme nochmal den Muttermund, der nun zwei 2 Finger weit geöffnet war. Wie ich es ihm aufgetragen habe, hat Jan mich dann aber doch dazu motiviert ohne Schmerzmittel weiterzumachen. Ich schaffte es, mich wieder auf die Wehenarbeit zu konzentrieren und kam wieder gut zurecht.
Irgendwann wurde mir dann sehr übel und ich musste mich einige Mal übergeben.

CTG in der Eröffnungsphase bei spontaner Geburt
Ausschnitt aus dem CTG

SSW 38+3, 01:15 Uhr

Auf unserer Geburtswunschliste stand ganz oben, dass wir uns eine interventionsarme, natürliche Geburt ohne PDA wünschten. Aus der Geburtsvorbereitung hatte ich die Faustregel für die Eröffnungsphase von 1 cm/Stunde im Hinterkopf. Als ich während einiger besonders heftiger Wehen es schlecht geschafft habe mich auf den Moment zu konzentrieren und daran gedacht habe dass es nach dieser Faustregel wohl noch Stunden so weitergehen wird, habe ich dann doch – vehement – eine PDA verlangt. Die Hebamme erklärte mir dass vorher der Muttermund untersucht werden müsse. Eine PDA würde bis etwa 7 cm Öffnung gelegt werden, danach nicht mehr.
Die diensthabende Ärztin tastete in einer Wehenpause den Muttermund. Während der Untersuchung fragte sie die Hebamme, wie weit ich bei der letzten Untersuchung gewesen wäre. In dem Moment dachte ich, dass sie die Frage deshalb stellte weil sie noch keinen Fortschritt bemerkt hatte und es noch Stunden dauern würde. Meine Erleichterung, aber auch mein Stolz auf mich, war groß als die Ärztin mir mitteilte dass der Muttermund bei 9 cm und somit bis auf den Saum vollständig verstrichen wäre. Die Eröffnungsphase war so gut wie vorbei – eine PDA aber damit auch vom Tisch. Die Ärztin bot mit stattdessen Paracetamol an, was ich auch annahm. Rückblickend hätte ich das aber wohl nicht gebraucht. Das Wissen dass ich es schon so weit geschafft hatte und es nicht mehr lange dauern würde, hat mich völlig beflügelt und ich hatte keine wirklichen Schmerzen mehr.

Bald hatte ich das Gefühl dringend auf die Toilette zu müssen um ein großes Geschäft zu verrichten. Hebamme und Ärztin erklärten mir dass ich wohl das Köpfchen spüren würde!

SSW 38+3, 02:15 Uhr

Da ich nun schon deutlich den Drang mitzuschieben bzw. zu pressen bemerkte, untersuchte mich die Hebamme. Der Muttermund war vollständig geöffnet und das Köpfchen bereits 4 cm in den Geburtskanal gewandert. Die Hebamme empfahl mir mich auf die linke Seite zu legen, das obere Knie anzuheben und mit dem untergehakten Arm nach oben zu ziehen. Die Presswehen habe ich nicht als schmerzhaft empfunden.

Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Unsere Hebamme rief ihre Kollegin dazu, beide diensthabende Ärzte waren gerade anderweitig beschäftigt.

SSW 28+3, 02:37 Uhr

Das Gefühl wenn das Köpfchen das Gewebe am Scheideneingang spannt, wird im englischsprachigen Raum nicht umsonst “Ring of Fire” genannt. Ich würde lügen, wenn ich hier erzählen würde dass das nicht weh tut. Die Hebammen haben mit Johanniskrautöl getränkte Lappen aufgelegt, was auch unglaubliche Erleichterung gebracht hat. Sie haben mir auch versichert, dass das Gewebe locker sei – ich war mir aber sicher dass sie das jeder Frau erzählen würden und habe es nicht so recht glauben können. Ich habe drei oder vier Anläufe gebraucht, um so fest mitschieben zu können dass das Köpfchen auch wirklich austritt. Ich habe all meinen Mut zusammengenommen, mit dem Arm den Infusionsständer gepackt und, angefeuert und ermutigt von den Hebammen, mit einem gefühlten Urschrei das Köpfchen unseres kleinen Mädchens geboren. Dann ging alles ganz schnell. Die zweite Hebamme hat mich plötzlich ausgezogen (ich hatte noch BH und T-Shirt an) – oder vielleicht war das auch schon ein paar Wehen früher, bevor das Köpfchen da war.
Mit der nächsten Wehe ist der Körper nachgerutscht, und die Hebamme hat mir mein Babymädchen auf den Bauch gelegt. Die Nabelschnur war etwas kurz, sodass ich sie nicht ganz in den Arm nehmen konnte. Das erste das ich sah waren ihre kleinen, unglaublich perfekten Hände.

Auf dem Geburtsbericht aus der Krankengeschichte ist nochmal alles knapp zusammengefasst

Nachdem die Nabelschnur auspulsiert war hat Jan sie durchtrennt (und dabei festgestellt, dass sie ganz schön zäh ist).

SSW 38+3, 02:55 Uhr

Unser Baby hat sehr schnell herausgefunden wie das mit dem Stillen funktioniert, und noch im Kreißzimmer auf beiden Seiten gesaugt. Ich war recht unfähig, klare Gedanken zu äußern sondern einfach nur müde und überglücklich.
Hebamme und Ärztin waren etwas besorgt weil die Plazenta keine Anstalten machte, geboren zu werden. Weder die Verabreichung eines Wehenmittels noch das Legen eines Blasenkatheters zum Entleeren der Harnblase haben den gewünschten Erfolg gebracht.

SSW 38+3, 03:18 Uhr

Mit dem sogenannten Credé-Handgriff konnte die Ärztin dann schlussendlich die Geburt der Plazenta auslösen. Dabei wird ziemlich fester Druck auf den Bauch ausgeübt, was es für mich wirklich schwierig gemacht hat. Rückblickend betrachtet, war das der für mich schwierigste Teil der Geburt, und eigentlich der einzige Moment wo ich nicht das Gefühl hatte die Lage unter Kontrolle zu haben.

Nachdem die Nachgeburt da war wurde ich auf Geburtsverletzungen untersucht und der kleine Dammriss versorgt.

das erste Familienfoto – müde aber überglücklich

Etwa 3 Stunden nach der Geburt wurde Elisa dann gewogen und gemessen und wir wurden auf die Wochenbettstation verlegt.

Unspektakulär!

Jans Antwort auf die Frage, wie er die Geburt erlebt hat

Über diese Antwort war ich zuerst etwas enttäuscht, im Nachhinein finde ich aber, dass es fast kein größeres Kompliment geben kann.

Ich hoffe, dass dieser Geburtsbericht vielleicht der einen oder werdenden Mama Mut macht und die Angst vor der Geburt nimmt. Es kann sicher nicht jede Entbindung so problemlos verlaufen wie bei uns, aber Angst ist sicher nie ein guter Begleiter. Wir sind unendlich dankbar, dass wir diese wunderschöne Geburt erleben durften, die unserer Elisa so einen guten Start ins Leben ermöglicht hat.

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